Das LENTZ

.Gasthaus .Café .Kneipe

Berlin

Stuttgarter Platz 20

 

 

9_morgens .FRÜHSTÜCK - mit reichhaltigem Angebot

12_mittags .MITTAGSTISCH - Tagesgericht & zusätzliche Speisekarte

15_nachmittags .KAFFEE .TEE .KUCHEN - von der Konditorei "Rabien"

18_abends .ABENDESSEN - wechselnde Gerichte & Tapas

Gasthaus LENTZ - Stuttgarter Platz 20, 10627 Berlin (Charlottenburg)
Telefon: 030 324 16 19
jeden Tag geöffnet von 9:00 bis 1:00 Uhr

der Ort für... besondere EREIGNISSE

 

Grünkohlessen - immer in der kalten Jahreszeit - Grünkohlzeit!

 

 

Weltmeisterschaft - Spargelessen - etc.

Stuttgarterplatz ("Stutti") Feste

jedes Jahr wieder, mit vielen Bands für die Musik, Comedians und Schauspielern - Generationsgrenzen überschreitend!

Bedienung

selbstbewußt, freundlich, aufmerksam, liebenswürdig

die LENTZ Bedienung

Küche

WIR aus der Küche...

...sichtbar über unsere Gerichte!

Die Entdeckung der ZEIT

Walter Aue - Schriftsteller

Walter Aue

Der Berliner Fotograf PICO RISTO - und ich als Autor - wollen über etwas berichten, das ein Mythos ist: DIE ENTDECKUNG DER ZEIT. Wir wollen sie darstellen, beschreiben und festhalten, jeder auf seine Weise: verbildlicht und versprachlicht. Und Zeit ist nicht nur ein Auswechseln geordneter Datierungen oder die Spur eines chronologischen Bewegungsprozesses, ein System von Licht und Dunkelheit, sondern vor allem eine Erscheinung, die man mit Hilfe einer Kamera und einer beschreibenden Sprache SICHTBAR und erkennbar machen kann.
ZEIT ist etwas, das zerstäubt, erstarrt, in flüssiger Form in millimeterkleinsten Rinnsalen wie Sickerwasser verkrustet, vertrocknet, sich in Sekundenschnelle verflüchtigt. Und kaum erleben wir die JETZTZEIT, ist sie schon die ERINNERUNGSZEIT, die sich in unserem Gedächtnis wie eine amorphe Masse zusammenklumpt oder endgültig hinwegschmilzt und vergessen wird. Um diese Vergessen möglicherweise zu verhindern, es wenigstens zu versuchen, sind wir beide - PICO RISTO, der Fotograf und ich, der Autor - fast täglich und zu verschiedenen Zeiten, EIN GANZES JAHR LANG, im Berliner Gasthaus “LENTZ” am Stuttgarter Platz anzutreffen, wo wir nicht nur den stündlichen Wechsel des Lichts, die jeweils veränderte Atmosphäre, sondern auch die Vielfalt der anwesenden Gäste, ihre Mimik und Gestik beobachten. Eine AUGENTÄTIGKEIT, die große Geduld erfordert und sich durch ihren protokollierenden Charakter von der LEBENSZEIT der übrigen Gäste des Lokals wesentlich unterscheidet.
Ein Berliner Gasthaus als Enklave. Ein klar umrissener territorialer Raumkörper, der sich von der umliegenden Gastronomie wohltuend unterscheidet und von uns als Arbeitsobjekt für ein konzeptionell ausgerichtetes Foto-Buch ausgewählt wurde. Denn kaum ist es Sommer, ist es schon Herbst oder Winter. Kaum ist es morgens, ist es schon Abend. Es gibt die AURA der Frühlingstage und die AURA der Winter-Schwärze. Als langjährige Gäste dieses Ortes, haben wir “Im Laufe der Zeit” so etwas wie EINE PARTITUR DER ALLTAGSEREIGNISSE registriert, die wir mit ihren jahreszeitlichen Abläufen einmal festhalten wollen, bevor sie in der Endlosschleife ihrer Wiederholung zur blinden Gewohnheit werden. Die Form und die Dramaturgie der einzelnen Bild-Szenen ergeben sich vom Zyklus der ablaufenden Monate und Tage, die - kaum, daß sie wahrgenommen - schon wider vorbei sind. Unwiderruflich vorbei sind.
Und hier sitzen sie, die Bier- und Milchkaffeetrinkenden, Zeitungslesenden und Tagebuchschreibenden Stammgäste des “LENTZ”. Beschützt und betäubt von den Kriegen und Katastrophen, die draußen in der Welt geschehen. Alles Menschenbilder, authentische Identitäten, die täglich neu erfunden werden und hier ihre immergleichen archetypischen Körperhaltungen vorführen: Das inszenierte Abbild ihrer selbst. Die Gäste Gliederpuppen einer Theaterbühne, die BERLIN heißt. Und auf den Tischen des Lokals die entwerteten Zeitungsberge, mit deren Hilfe sich die Milchkaffeetrinker aus ihrer eigenen Entfremdung zu befreien versuchen und die Rotweintrinker im Inkognito ihrer selbstgefertigten Wunschbilder dahinträumen.
Und hier, während die Gäste durch die reflektierenden Fensterscheiben des “LENTZ” nach draußen blicken, erleben sie Anwesenheit oder Auslöschung ihrer eigenen Lebenszeit, die Körperlosigkeit und Hinfälligkeit ihrer eigenen Erinnerungen: Den Ursprung der Bilder und Worte, mit denen wir etwas festhalten und zusammenzufügen versuchen, was üblicherweise im Bewegungsablauf der ZEIT in unzählige Bruchstücke auseinanderfallen und im Gedächtnis dieser Stadt verloren ginge.
Walter Aue, 1. Februar 1997

Stuttgarter Platz 20
10627 Berlin (Charlottenburg)
Telefon: 030 324 16 19
Für Reservierungen bitte die Tel-Nr. benutzeneMail: treffen@gasthaus-lentz.de
über die eMail werden keine Reservierungen entgegengenommen!